Potamotrygon castexi


Rochenpfleger-Treffen Basel am 05. Februar 2005


Text und Bilder (soweit nicht anders vermerkt) Andreas Ochs

Zum Treffen kamen Rochenpfleger aus der Schweiz, den Niederlanden und Deutschland. Treffpunkt war am Eingang des Baseler Zoo (Zolli) um 12:00. Aufgrund der langen Wartezeiten an der Grenze dauerte es dann aber 45 Minuten länger, bis auch wir endlich ankamen und die Führung durch das Aquarium beginnen konnte. Daniel Madörin vom Vivarium führte die Gruppe zunächst in einen zentralen Raum hinter die Kulissen, der auch als Futterküche dient. Auf dem Tisch standen viele Becher und Schalen mit diversen Futtertieren zum Auftauen.


Endlich sind die letzten (wir) da und es kann losgehen ...


Fast wie Zuhause, nur alles etwas mehr und größer.


Großes Buffet, für jeden etwas. Foto: Frank Zijlmans

Nach einer Einführung über die Geschichte des Aquariums kam das Thema unweigerlich und sehr schnell auf die Aquarienbewohner die wir am liebsten mögen und daher ging es wieder in den Besucherbereich vor das Rochenbecken. Im Zolli werden 3 Potamotrygon leopoldi (1.2) gepflegt. Das Aquarium hat ca. 6000 Liter, ist aber wie so oft in Zooaquarien sehr hoch mit relativ kleiner Bodenfläche. Durch einen Aufbau aus Wurzeln der vor der gesamten Rückwand vom Boden bis zur Wasseroberfläche reicht wird der Schwimmraum der Rochen eingeengt, ist aber bei der derzeitigen Größe der Rochen (ca. 30-35cm Durchmesser) ausreichend. Die Rochen sind für ihr Alter (ca. 3-4 Jahre) recht klein und bisher kam es noch nicht zu Paarungsversuchen. Vergesellschaftet sind sie mit Heros "Rotkeil", Anostomus anostomus, L25, Panaque nigrolineatus, Perrunichthys perruno, Osteoglossum bicirrhosum und einer Myleus Art. Das Zusammenleben klappt harmonisch, keine Belästigung der Rochen durch die Panaque und bisher wurden auch keine Fische von den Rochen gefressen.





Foto: Frank Zijlmans


Foto: Frank Zijlmans


Beeindruckender Panaque nigrolineatus Foto: Frank Zijlmans


Da steht man, nach hunderten von km Anfahrt, endlich direkt vor dem Rochenbecken des Zolli
- und keiner schaut hin ;-)


Die Oberfläche ist teilweise mit Hornfarn bewachsen.
Die Platten auf dem Beckenrand sollen verhindern,
dass ein Arowana herausspringt.


Nachdem der rochenspezifische Wissensdurst nun gestillt war ging es wieder hinter die Kulissen. Interessant für alle Großaquarien-Planer waren die Informationen über die Beschichtung der Betonbecken. Nachdem die Beschichtung mit mehreren Lagen Epoxydharz in einigen Becken mit der Zeit Risse bekam wird jetzt bei der Sanierung ein mehrschichtiger Aufbau mit großem Erfolg eingesetzt. Dabei wird auf Epoxydspachtel eine Gewebematte gelegt und mit einer weiteren Lage Epoxydspachtel versehen. Erst darauf erfolgt dann der mehrmalige Anstrich mit Epoxydharz. Keines der so abgedichteten Becken ist seitdem undicht geworden, selbst wenn durch mechanische Einwirkungen (Schlag mit Stein) das Epoxydharz durchschlagen würde, hält der Epoxydspachtel mit dem Gewebe weiter dicht.

Die Filtertechnik ist bei den meisten Becken recht einfach. Das Wasser läuft durch einen Kiesfilter und wird dann wieder ins Becken gepumpt. Auf dem Kiesfilter sammelt sich der gröbere Schmutz und wird manuell mit einer Mulmglocke entfernt, im Kiesbett siedeln sich Bakterien an die für die biologische Wasserreinigung zuständig sind. Der Mulm der sich unter dem Kiesbett ansammelt wird ca. einmal im Jahr abgezogen. Da die Filter im Vergleich zum Beckenvolumen großzügig bemessen sind funktioniert das ganz gut.

Im Keller konnten wir dann neuere Varianten der Filtertechnik sehen, z.B. kam ein Vortex zur Abscheidung des gröberen Schmutzes zum Einsatz, dann eine blaue Filtermatte, und danach erst der Kiesfilter. Dadurch entfällt die manuelle Reinigung mit der Mulmglocke, ein Handgriff genügt und alles was sich im Vortex abgesetzt hat wird abgelassen. Die Heizung der großen Becken erfolgt über die Zentralheizung. Eine Spirale aus Rohren für Fußbodenheizung liegt in einer Kammer des Filters und wird über einen Heizungsthermostat mit Fernfühler gesteuert.

Die neuesten Filter arbeiten an einem großen Seewasserbecken. Es sind große Rieselsäulen mit einer Absetzzone am Boden, dort setzt sich der grobe Schmutz ab und wird über einen Ablauf mittels Kugelhahn abgelassen. Um auch feinste Schwebstoffe abzutrennen wird zusätzlich ein Sanddruckfilter eingesetzt.


Bildmitte oben ein Vortex zum Abtrennen der absetzbaren Verunreinigungen, dann
geht es durch einen dicken Schlauch in eine Kammer mit blauer Filtermatte. Das
große Becken im Vordergrund ist ein Kiesfilter. Foto: Frank Zijlmans


Seewasserbecken mit Abschäumer

Sehr interessant ist ein Zuchtraum für Seepferdchen. Im Zolli werden verschiedene Arten Seepferdchen und eine Quallenart gezüchtet. In größeren Becken sind jeweils mehrere ausgewachsene Seepferdchen zu bewundern und in kleineren Becken Jungtiere unterschiedlichen Alters. Um diese vielen Jungtiere mit Futter zu versorgen wird sowohl Phytoplankton als auch Zooplankton gezüchtet. Den Zuchtraum für L-Welse konnten wir leider nicht ansehen, da gerade eine sehr schwer züchtbare Art ein Gelege hatte und jede Störung der Tiere den Zuchterfolg gefährden könnte.






Sehr ausführlich haben wir uns dann mit dem selbst gemachten Futter beschäftigt. Da das Rezept nicht festgelegt, sondern an den verfügbaren Rohstoffen orientiert ist, hier nur die grobe Zusammensetzung:

40% Gemüse (Spinat, Rosenkohl, Karotten, Broccoli, Brennesselmehl)
20% Fisch (2% sind Heringe, der Rest Süßwasserfisch)
20% Garnelenschrot und Krill
15% Calmar
5% Muscheln

pro kg Futter 2g Astaxanthin

Die Zutaten werden roh fein püriert und dann als Tafel eingefroren. Die tägliche Ration wird nach dem Auftauen mit Gelatine gebunden. Dazu wird die Gelatine in warmem Wasser aufgelöst und dann mit dem aufgetauten Futter vermischt. Jetzt werden auch Vitamine hinzugefügt. Um das Futter noch weiter einzudicken wird Brennnesselmehl oder Algenpulver (Spirulina) zugegeben.

Gefüttert werden die Rochen mit diesem Futter dreimal pro Woche. Zusätzlich bekommen sie jeden Morgen Rochensticks, die es in der Schweiz im Handel gibt.

Wenn Fische sterben wird routinemäßig eine Untersuchung beim Veterinär durchgeführt und unabhängig vom weiteren Befund kommt regelmäßig die Mitteilung zu fett, weniger füttern.


Hier kocht der Chef - so wird das Futter zubereitet.

Nach der Führung hinter die Kulissen blieben uns noch ca. 30 Minuten Zeit für den Rest des Zolli im Schnelldurchlauf. (Einige waren ja schon früh am Vormittag gekommen und hatten sich den Zolli bereits vor der Führung angesehen). Wir haben uns erst noch das ganze Vivarium von der Besucherseite angeschaut. Am besten gefallen hat mir gleich im Eingangsbereich das riesige Störbecken. Obwohl dieses Becken eigentlich ein Freilandteich mit Scheibe ist und eine entsprechend niedrige Wassertemperatur Anfang Februar hatte sind die Störe lebhaft herum geschwommen.


Das Störbecken mit über 100.000 Liter Inhalt Foto: Frank Zijlmans

Beeindruckend waren auch die großen Seewasserbecken, eines davon mit einem Schwarm "Minihaie"; Hexanematichthys seemanni. In einem anderen Großbecken schwammen Leopardhaie ihre Runden. Allerdings konnte ich den Indischen Bambushai (Chiloscyllium indicum, die kleinste Bambushai Art mit nur 65 cm Länge) nicht finden, ein Bambushai, der zur Fütterung kurz aus seinem Versteck kam entpuppte sich als Weißgepunkteter Bambushai (Chiloscyllium plagiosum).

Aquaristisch interessant ist noch das neue Krokodilhaus, im riesigen Wasserteil war das Wasser kristallklar und es wimmelte von afrikanischen Buntbarschen.


Fetzenfisch


Wasserteil der Krokodilanlage Foto: Frank Zijlmans

Nach dem Zoo Besuch waren alle noch zur "Heimschau" bei Daniel Wehrli eingeladen. Es hat dann ziemlich lange gedauert, bis wir den Weg aus dem Parterre mit den Rochenaquarien in den ersten Stock zum Abendessen gefunden haben


Halbwüchsiger Tiger Ray, ideales Fotomodell, er lag ganz ruhig da ...


Perlenrochen Weibchen mit ungewöhnlich heller Grundfarbe und klarer Zeichnung.


Ein weiteres Perlenrochen Weibchen mit sehr schöner Färbung.


Hybride motoro x leopoldi.

Daniels Freundin und Andreas Wartmann mit Freundin hatten bereits eine große Tafel mit Raclette vorbereitet und Daniel hat dann die Rochenpfleger aus den Niederlanden gefragt: "Käse kennt ihr ja auch, aber auf die Idee ihn zu schmelzen seid ihr nicht selbst gekommen? Das mussten euch die Schweizer zeigen" ;-)

Hochinteressant war der Bericht von Hansruedi, der von einem Rochen in den kleinen Finger gestochen wurde. Die Wunde ist zunächst nicht geheilt und die Ärzte haben aus der Wunde eine ihnen unbekannte Bakterienart isoliert, die auf kein Antibiotikum ansprach. Er kam daraufhin wochenlang in Quarantäne. Als die Ärzte bereits erwogen den Finger zu amputieren setzte langsam der Heilungsprozess ein. Die Bakterienart wurde schließlich als nur in Brasilien vorkommende Art identifiziert.

Leider ging dieser schöne Tag viel zu schnell vorbei und nach und nach wurde es immer leerer, da einige ja noch einen weiten Heimweg hatten. Wir blieben noch bis Sonntag in der Schweiz und besuchten unser "Kind" Nell bei Andreas Wartmann, die weiterhin sehr lebhaft ist und einen gesegneten Appetit hat.


Nell auf Futtersuche.

Unsere Heimfahrt am Sonntag Abend werden wir so schnell nicht vergessen, in Höhe von Darmstadt war die A5 spiegelglatt mit geschlossener Schneedecke, da waren wir froh, als wir ohne "Ausrutscher" wieder Zuhause waren.

Ein großes Dankeschön an unsere schweizer Rochenfreunde,
es war sehr schön bei Euch!

Vielen Dank auch an Daniel Madörin für die interessante
Führung im Aquarium des Zolli!







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